Projekte

Dunkle Ritter

Düsteres Fantasy-Setting, gebrochene Figuren, Moral und Ehre, Leben und Tod – Bücher für alle, denen Game of Thrones nicht finster genug war, oder die sich wünschen, Dark Souls wäre eine Romanreihe.

Ritter und Henker

Inhalt
Das Königreich versinkt in Dunkelheit. Ein Übel, genannt die Umarmung der Nachtmutter, befällt die Herzen der Lebewesen und verwandelt sie in Monstren. In diesen finsteren Zeiten sind die Ritter des Lichts, eine Eliteeinheit des Königs, das Symbol der Hoffnung: Sie verkörpern die höchsten Tugenden und nehmen selbstlos den Kampf gegen das Böse auf. Steyn und Gavin, zwei grundverschiedene junge Männer, haben nur ein Ziel: Teil diese illustren Ordens zu werden. Doch beide tragen ihr eigenes Dunkel im Herzen, das sie von innen zerfrisst.
Leseprobe
Nach einem Kampf gegen Menschen, die offenbar von einer sonderbaren Krankheit befallen sind, hat Steyn, die Hauptfigur, das dringende Bedürfnis, sich zu waschen. Sein finsterer Gefährte Gavin leistet ihm Gesellschaft, nicht gerade zu Steyns Begeisterung.

Er griff nach ihrer Laterne und verließ die Kammer, bevor jemand ihn aufhalten konnte, hastete durch die Zuflucht der Dorfbewohner und gelangte auf den Pfad, der zum unterirdischen See führte. Hier entzündete er die mitgebrachte Laterne. Ihr geblich-weißes Licht wurde durch den Wasserstaub gebrochen wie durch Nebel. Es erhellte nur einen kleinen Abschnitt der Höhle und zeichnete Schattenmuster auf das scharfkantige Gestein. Obwohl das Licht der Laterne nicht ausreichte, den Wasserfall zu sehen, hörte Steyn ihn nicht nur, sondern fühlte ihn als leichtes Beben unter den Füßen. Er ließ sich ganz vom Dröhnen des hinabstürzenden Wassers durchdringen. Seit er die alte Frau getötet hatte, tobte und schrie etwas in ihm, ohne dass es hinaus gelangen konnte. Es war, als erhebe der Wasserfall an seiner Stelle die Stimme.
Er zuckte heftig zusammen, als sich von hinten eine Hand auf seine Schulter legte.
»Gavin, bei den Göttern!« Er hatte nicht bemerkt, wie er sich näherte. Der Wasserfall übertönte alle Geräusche. »Was macht Ihr hier?«
»Euch folgen, Rabensteyn«, erwiderte Gavin lakonisch. »Nur sicher gehen, dass Ihr keinen Unsinn anstellt. Jemand könnte Euch von hinten niederstechen, so, wie Ihr einfach nur dasteht.«
»Wer sollte das denn tun? Das hier scheint ein friedlicher Ort zu sein.«
Achselzucken.
»Ich wollte mich nur waschen.«
»Tut Euch keinen Zwang an.«
»Allein.«
Da sich Gavin nicht rührte, seufzte er gereizt und stieg, die Laterne in der Hand, das felsige Ufer zum See hinab. Das Wasser durchtränkte die Höhle mit solcher Kälte, dass ihm der Atem in Schlieren vor dem Gesicht stand. Ein Bad würde alles andere als komfortabel sein. Zugleich aber sehnte sich etwas in ihm nach der reinigenden Kraft der Kälte. Er stellte die Laterne sorgfältig auf einem Felsen ab. Während er ein Rüstungsteil nach dem anderen löste, zog der Kampf gegen die Dorfbewohner erneut an seinem inneren Auge vorbei.
Gavin wartete hinter ihm, schweigend.
»Gavin?«
»Hmm?«
»Haben sie sich überhaupt gewehrt? Als wir … angegriffen haben?«
Offenbar wusste Gavin sofort, wovon er sprach. »Wir waren zu schnell für sie. Und sie waren dumm und träge vom Übel.« Eine kurze Pause. »Ich habe gesehen, wie Ihr Euren Speer eingesetzt habt, um den Gegner stolpern zu lassen. Das war feige, Rabensteyn. Das nächste Mal solltet Ihr es selbst zu Ende bringen und nicht anderen die Drecksarbeit überlassen.«
»Das waren Menschen! Soviel wir wissen, traf sie keinerlei Schuld an ihrem Schicksal, aber jetzt sind sie tot. Wir haben sie getötet. Wie könnt Ihr nur so ungerührt sein?«
»Ich habe dergleichen schon gesehen.«
»Ach ja? Und wo?«
»Das ist lange her. Übrigens hat Brock es bereits gesagt: Ihr habt das Richtige getan. Zermartert Euch nicht länger Euer armes Hirn. Was geschehen ist, lässt sich nicht ändern. Ihr werdet Euch daran gewöhnen.«
»Ich werde nicht klug aus Euch, Gerber.« Steyn zerrte sich die Stiefel von den Füßen und warf sie neben die Teile seiner Rüstung. In diesem Moment schien ihm Gavin alles zu verkörpern, was er verabscheute, sich selbst mit eingeschlossen. »Ihr habt kein Mitgefühl. Ich frage mich manchmal, ob Ihr überhaupt eine Seele habt. Und Ihr wollt Ritter des Lichts werden?«
»Ich folge dem Feuer«, sagte Gavin. »Kapiert Ihr das denn nicht?« Er ließ sich von dem Felsvorsprung fallen, auf dem er saß, und legte den Umhang ab. »Was soll’s. Ich hab ein Bad auch nötig, wahrscheinlich nötiger als Ihr.«
Der See kam Steyn wärmer vor als die frostige Luft, wärmer als der Dampf aus zerstobenen Tropfen, der die Höhle füllte. Er watete bis zu den Knien hinein, schöpfte von dem Wasser und begann sich das Blut abzurubbeln, das durch seine Kleidung gedrungen war. Im schwachen Laternenlicht war seine Haut nicht nur schmutzig, sondern auch voller Schrammen und dunkler Blutergüsse. Er musste sie sich bei dem Kampf zugezogen haben. Steyn tauchte auch die verletzte Hand ins Wasser. Dass die Priesterin gesagt hatte, er solle sie in Ruhe lassen, kümmerte ihn nicht. Sorgfältig säuberte er die Wunde, bis sich die Schwärze löste und die Adern nicht mehr zu erkennen waren. Dabei spürte er nichts, nur ein schwaches Stechen tief im Fleisch.
Während er sich wusch, vermied er es, einen Blick auf Gavins nackten Körper zu werfen. Gavin dagegen kannte soviel Anstand nicht. Steyn fühlte, wie er ihn mit den Augen abtastete. Und er hörte das spöttische Grinsen in seiner Stimme, als er sagte: »Ihr seid schön, Rabensteyn. Ein schöner Mann. Ein Jammer, das der Damenwelt vorzuenthalten. – Wie geht’s Eurer Hand?«
»Wann hört Ihr endlich damit auf?«, fragte Steyn verärgert. Doch Gavin blieb ihm die Antwort schuldig. Er tauchte plötzlich unter, prustend, und schwamm mit kräftigen Zügen auf den schwarzen See hinaus.

Cruces

Inhalt
Nicht Gott entscheidet, ob eine Seele verdammt ist, sondern seine Diener. Wer das Zeichen der Cruces, des Doppelkreuzes, trägt, dessen Seele ist im Körper gefangen und kann vom Klerus für seine Zwecke verdreht und geformt werden. Zwei tragen bereits eine Crux: Valakar, der gefallene Ritter, und die Nonne Corinna, die die seltene Kunst beherrscht, uralte, zerstörte Texte wieder herzustellen. Als Corinnas Fähigkeiten vom Königshaus angefordert werden, geraten beide in eine Falle, aus der es kein Entkommen gibt – es sei denn, um den Preis des eigenen Seelenheils.

Die Geister von San Turaco

Serie. Außergewöhnliche Fantasy in modernem, karibischem Setting. Gesellschaftskritisch, humorvoll, mit Voodoo. Auf San Turaco, einer Insel, die durch ein Embargo vom Rest der Welt abgeschottet ist, gehen eine Polizistin und ein Nekromant einer Serie mysteriöser Mordfälle nach.

Leseprobe
Die Stimmen der zahllosen Partygäste kratzten in seinen Ohren. Es mussten mehrere hundert Menschen gekommen sein, darunter einige Prominente. In den großzügig geschnittenen Zimmern der Ratsherrn-Villa verteilten sie sich so, dass kaum Gedränge entstand. Bis auf die Bediensteten, die mit Häppchen und Champagner ihre Runden drehten, war Timoteo der einzige Melez, der einzige Halb-Nopoye in Sichtweite. Bei allen anderen handelte es sich um Pieni – Hellhäutige, Eroberervolk.
Er versuchte, sich trotz des Lärms zu konzentrieren, schenkte der Frau, die ihm gegenüber saß, sein zauberhaftes Liebesszenen-Lächeln und streckte ihr die Karten hin.
»Ziehen Sie drei.«
Sie tat es. Ihre Fingernägel waren knallpink lackiert und mit glitzerndem Strass besetzt. Als er die Karten für sie auf dem Glastisch umdrehte, wurden Zeichnungen von Schwertern und Gerippen, von Tod und Gemetzel sichtbar. Der Tod, der eine Machete in der Knochenhand hielt, fuhr eine schwarze Limousine, und auf dem Beifahrersitz hockte ein Jagdhund von derselben Farbe. Die Frau zuckte zurück, ihre Fischaugen weiteten sich.
»Was soll das bedeuten?«
»Nur keine Sorge, Donna. Bilder von Vernichtung symbolisieren immer einen Neuanfang. Daher trägt der Tod einen Kranz aus Blütenknospen.« Timoteo deutete auf das Detail. Die Frau beugte sich tief über den Tisch, zu tief für ihren Ausschnitt. Während sie abgelenkt war, pflückte er rasch zwei, drei blondierte Haare von ihrer Schulter, schob sie in den Ärmel und schnappte sich den Lippenstift aus ihrer geöffneten Handtasche. Darauf mussten wenigstens ein paar Tropfen ihres Speichels zurückgeblieben sein. Nicht viel, aber genug, um im Notfall damit zu arbeiten. Als sie aufblickte, waren die Brüste noch immer in seinem Blickfeld, und er roch ihr Parfum, schwer und aufdringlich.
Vulgäres Weibsstück. Leider war sie die Schwester des Ratsherrn, und wenn er heute noch zu Calderon wollte, fing er besser mit dem unterhaltsamen Teil an, um sie kooperativ zu stimmen. Etwas Gesäusel, Komplimente über ihren Charakter und die Versicherung, der Traummann warte bereits auf sie, das machte fast jede Frau zugänglich. Er legte sich die passenden Worte zurecht, öffnete den Mund – und wurde von einem Aufschrei unterbrochen.
»Val! Er ist wirklich gekommen! Valentino Flores!«
Von irgendwoher aus der Menge schossen drei Mädchen auf ihn zu. Sie hatten ihre Handys gezückt, umringten ihn, quietschten, kreischten und knipsten Fotos. Die Frau mit den pinken Fingernägeln fuhr sie an: »Was soll das? Seht ihr nicht, dass wir beschäftigt sind?«
Niemand achtete auf sie. »Val, darf ich mit dir aufs Bild?«
Timoteo lächelte routiniert, während sich eins der Mädchen an ihn schmiegte und ein Selfie aufnahm, ohne eine Antwort abzuwarten. Augenblicklich gesellten sich die anderen beiden dazu. Seine Karten segelten vom Tisch und verteilten sich auf dem Teppich. Die Frau stand auf und ging. Verdammt.
Eins der Mädchen kämmte ihm das Haar aus der Stirn, als wäre er irgendein Haustier. Typisch Oberschicht: Die meisten führten sich nach wie vor so auf, als wäre jeder Nopoye, jeder Melez, auf den sie trafen, ihr persönliches Eigentum, an dem sie nach Belieben herumtatschen konnten. Fehlte nur, dass sie ihm in die Hose griff. Wie sollte er bloß entkommen?
»Er sieht genauso gut aus wie im Fernsehen«, befand sie.
»Magerer, finde ich.«
»Ja, steht ihm aber.«
»Seine Augen! Ich hab’s dir doch gesagt, die Farbe ist echt: ein Auge silber, eins schwarz. Keine Kontaktlinse.«
Das jüngste Mädchen sah ihn mit bettelndem Blick an. »Bitte, Val, komm zurück zu MdL! Du musst wieder dabei sein. Val war der Beste! Er darf nicht tot sein. Er und Anna sind doch füreinander bestimmt.«
Sie kann nicht einmal zwischen mir und meiner Rolle unterscheiden, dachte Timoteo. Er zwang sich zur Ruhe und lächelte mit zurückgezogenen Lippen in die Handykamera. Den Arm um seinen Hals versuchte er zu ignorieren. Nur der Rolle als Valentino Flores verdankte er es, dass er es überhaupt auf diese Party geschafft hatte, in die Nähe von Ratsherr Calderon.
»Ihr vermisst also Valentino?« Seitdem seine Figur eine Kugel in den Kopf bekommen hatte und aus der Telenovela Magie der Leidenschaft – MdL, wie die Mädchen sie nannten – verschwunden war, hörte er das ständig. »Val ist jetzt in der Hölle, ihr Lieben. Aber wer weiß. Sind schon mehr Menschen von da zurückgekehrt, als die meisten Leute denken.«

Kessler Chroniken

Mosaik aus mehreren Einzelromanen in antikem, pseudo-römischem Setting. Episch, politisch, manchmal düster und oft humorvoll. Verfolgt das Schicksal einzelner Personen in einer Zeit des Umbruchs – und mit ihnen das eines zerfallenden Weltreichs.

Talvars Schuld

Dieser Roman ist veröffentlicht; alle weiteren Informationen gibt es daher hier.

Mord in Laidon

Inhalt
Nach seinem Zusammenbruch während einer wichtigen Ratssitzung ist klar: Die Politik wird Lukial umbringen. Das hat ihm der Arzt bestätigt. Dass es in Wahrheit der Tod seiner kleinen Tochter ist, der Lukial das Herz bricht, ahnt nur sein bester Freund. Mit größter Mühe kann er Lukial davon überzeugen, sich eine Auszeit in der Inselreichs-Metropole Laidon zu nehmen. Doch dort sieht sich Lukial wenig später erst recht in einem Alptraum gefangen: Bei einem Symposion wird eine prominente Nekromantin ermordet, und als Täter gilt er. Um seine Unschuld zu beweisen, muss Lukial seinen alten Kampfgeist wiederfinden – und die Unterstützung der blendend schönen Deklamatorin Xaphra erringen, die ihm eigentlich ewige Feindschaft geschworen hat.

Schattenfluss

Inhalt
Der unfähige Politiker und Lebemann Kadevis verbringt seine Zeit mit belanglosen Affären, Machtspielchen und Kleinkrieg gegen seinen Intimfeind Lukial. Es gelingt ihm sogar, Lukial das Haus zu stehlen und seine Frau zu schwängern. Doch dieses Leben endet abrupt, als sich der verbitterte Feldherr Kimra zum Alleinherrscher aufschwingt und den Kessler Rat niedermetzeln lässt – darunter auch Kadevis’ gesamte Familie. Als Geächteter muss sich Kadevis in Lebensgefahr begeben, um Lukials Frau und sein ungeborenes Kind zu retten. Zum ersten Mal lernt er, Verantwortung zu übernehmen und seine eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen …

Fuchs Goldauge

Inhalt
Nach dem Tod des Dikators Kimra ist der Rat abgeschlachtet, der Staat liegt in Trümmern – aber das Leben muss weitergehen. Der junge Silial kämpft darum, das Erbe seines ermordeten Bruders anzutreten, des brillanten Anwalts und Politikers Lukial. Als sich Silial zum Verteidiger eines Mannes macht, der sich selbst nicht wehren kann, gerät er in Lebensgefahr. Denn unwissentlich ist er einem mächtigen Feind in die Quere gekommen, dem ehemaligen kriegsgefangenen Sklaven Fuchs Goldauge, der jetzt die wenigen Mächtigen kontrolliert, die das Massaker der Diktatur überlebt haben.

Blutgeister

Inhalt
Eine Geschichte, zwei Schickale: Wie Nebel lastet ein finsteres Geheimnis auf dem Gestüt von Lutans Familie. Nacht für Nacht erscheint dem Jungen ein bösartiger Geist. Woher stammt der Blutfleck, den sein Vater unter dem Teppich verbirgt? Was weiß der Pferdeknecht Kiun über den Geist? Und welche Rolle spielt der blutrote Hengst Dorn? Als Lutans Vater bei einer Auseinandersetzung schwer verletzt wird, flüchtet Lutan zu den Nachbarn. Mithilfe der Nachbarstochter beginnt er Nachforschungen über die Vergangenheit seiner Familie – und offenbart Schockierendes. Unterdessen ringt der geschlagene und gedemütigte Feldherr Jeskar um eine schwerwiegende Entscheidung. Soll er seine Ehre wiederherstellen, auch wenn der Preis dafür Verrat an seiner Heimat ist?

Schule der Macht

Inhalt
20 Jahre sind seit den Ächtungen des Alleinherrschers Kimra vergangen. 20 Jahre, um sich vorzumachen, die Welt sei wieder in Ordnung. Doch sie ist es nicht, und sie wird es auch nie wieder sein: Nach Jahrhunderten der Unterdrückung lehnt sich das Volk von Kessel auf und protestiert gegen die Oligarchie. Die einflussreichsten Politiker ihrer Zeit, Silial und Malkar, müssen sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Während der idealistische Silial, selbst einfacher Herkunft, für das Volk Partei ergreift, setzt sich der Opportunist Malkar für ein kompromissloses Vorgehen ein. Doch beide begehen Fehler und geraten in einen blutigen Strudel der Ereignisse, aus dem es kein Entkommen gibt. Auch ihre Schützlinge werden mit hineingezogen, die hochintelligente Landra und Atanis, der jedes Fettnäpfchen mitnimmt. Als die skrupellose Feldherrin Kivan mit der Niederschlagung der Aufstände betraut wird, geht es nicht mehr um persönliche Feindschaften oder Macht: Da Leben aller und die Zukunft von ganz Kessel stehen auf dem Spiel.
Leseprobe
Atanis, die junge Hauptfigur des Romans, stammt aus der Familie Tuvar, die von dem Diktator Selvid Kimra fast vollständig ausgelöscht wurde. Der gleichaltrige Maras, dem er während seines Militärdienstes begegnet, ist ein Enkel des Diktators – und ein sonderbarer Vogel, ein Literatur liebender Schöngeist, der schwer an der Schuld seiner Herkunft trägt. Nachdem sie sich erst geprügelt haben, dann Maras Atanis‘ Leben gerettet hat, bahnt sich zwischen ihnen eine zaghafte Freundschaft an.

„Trink! Auf unsere gemeinsame Heimat.“
Warum hatte er das gesagt? Doch Maras nahm den Becher entgegen und trank ohne weiteren Kommentar. Auch Atanis nahm einen Mundvoll und ließ ihn prüfend über die Zunge rollen. Der Wein schmeckte, wie er roch, aber unter dem Kräuteraroma, das an einen Arzneitrank erinnerte, lag eine Basis von üppig süßen Trauben.
„Puh, das ist gewöhnungsbedürftig!“ Er setzte sich Maras gegenüber. „Und du willst jetzt allen Ernstes über Literatur reden?“
„Du nicht?“
„Mich interessiert das nicht“, sagte Atanis. „Diese Geschichten haben nichts mit mir zu tun.“
Es war offensichtlich, dass Maras den Wein zu schnell hinuntergekippt hatte, denn seine Augen konnten sich schon nicht mehr genau auf Atanis fixieren. Das nahm seiner bedeutungsvollen Miene einiges von ihrer Ernsthaftigkeit. „Ich denke, das haben sie wohl.“
Atanis trank einen weiteren Schluck. Gar nicht so übel, wenn man sich erst mit dem Geschmack abgefunden hatte. „Was soll denn dieser Krieg um Lelva vor tausend Jahren oder so mit mir zu tun haben?“
„Du missverstehst da etwas, Tuvar Atanis. Dieses Epos handelt nicht von Krieg. Es geht darum, was die Menschen gemeinsam haben.“
„Und was ist das?“
Die Frage schien Maras etwas aus dem Konzept zu bringen. „Nun … letzten Endes den Tod.“
„Das ist wirklich ungeheuer tröstlich.“
„Das ist es, weil …“ Maras setzte neu an. „Wenn die Menschen erkennen … tut mir leid, ich bin nicht gut darin, sowas zu erklären. Wenn sie erkennen, wie hilflos sie alle gegenüber den Geschicken sind, können sie ihre Feindschaften begraben und miteinander sprechen wie Brüder. Wenn auch vielleicht nur für kurze Zeit. So wie …“
Allmählich dämmerte Atanis, was ihm Maras auf so umständliche Art mitzuteilen versuchte. „Wie wir, meinst du?“
Der Selvid wirkte verlegen. „Wie Xerras und der König von Lelva, wollte ich sagen. Sie sind Todfeinde, aber sie haben beide jemanden verloren, der ihnen wichtig war. Der König seinen ältesten Sohn und Xerras seinen besten Freund.“
Nur zu deutlich erinnerte sich Atanis an diesen Teil der Geschichte: Xerras, der hitzköpfige Held des Epos, rächte den Tod seines Freundes, indem er den Königssohn, der ihn getötet hatte, niedermachte und seine Leiche unter dem freien Himmel verrotten ließ. So etwas vergaß man wohl nie, wenn man als Kind damit gequält wurde! Wie dieses Elend allerdings endete, hatte er offensichtlich aus dem Kopf verbannt.
„Als der König Xerras bittet, ihm die Leiche seines Sohnes zur Bestattung zu überlassen“, fuhr Maras fort, „erkennen sie, dass sie beide verletzt und voller Trauer sind. Sie essen und trinken zusammen, und Xerras erfüllt dem alten Mann seine Bitte. Dabei hätte er ihn auf der Stelle erschlagen können. Das hätte den Krieg wahrscheinlich sogar früher beendet. Aber sie beschließen, ihre Feindschaft für diesen einen besonderen Moment zu begraben. Morgen werden sie einander wieder verfolgen und töten.“
Atanis suchte nach einem Witz, um Maras’ Worte ins Lächerliche zu ziehen. Diesmal fand er keinen, und so schwieg er.
„Es ist meine Lieblingsstelle.“ Maras klang beinahe schüchtern. „Darf ich sie dir vorlesen?“
Atanis unterdrückte ein Seufzen. Eine Literaturstunde – na großartig. Offenbar hatte er durch dieses Geschenk das Wohlwollen eines Langweilers erkauft. „Na, meinetwegen. Wenn sie nicht zu lang ist.“
Maras’ Hand brauchte nur wenige Momente, um die richtige Schriftrolle zu finden. Präzise sprangen seine Augen über den Text, und er begann:
Und unbemerkt trat er König herein. Er umfasste Xerras’ Knie und küsste seine Hände – die männermordenden, die ihm viele Söhne getötet hatten.“
Maras’ sonst tonlose Stimme wurde zärtlich, während er vorlas. Er streichelte die Wörter. Die sanften Silben und Verse glitten über seine Lippen und füllten das Zelt wie das Murmeln eines Bachs.
So sprach er und weckte in Xerras die Sehnsucht nach seinem Vater …
Wie seltsam, ausgerechnet einem Selvid gegenüberzusitzen und sich das anzuhören! Etwas Sonderbares ging in Atanis vor. Auf einmal konnte er die Gestalten des Kampfs um Lelva vor sich sehen – Xerras, blond, muskelbepackt und mit wildem Blick, und den weißbärtigen König mit rotgeweinten Augen, in Lumpen – und ihre Stimmen hören. Und als Maras las, dass Xerras an seinen Vater denken musste, überkam ihn selbst erneut das Heimweh, nur stärker und irgendwie bittersüß. Xerras bedauerte, dass sein Vater weit weg leben musste, während ihm selbst die Geschicke bestimmt hatten, im Krieg gegen eine fremde Stadt zu sterben. Ich sterbe aber nicht, dachte Atanis, ich werde nach Hause zurückkehren. Und … und … er wusste es nicht, aber er fühlte, dass er dann etwas Wichtiges tun würde, tun musste. Und noch ein Vorsatz begann sich in ihm zu bilden, ein Vorsatz, der Maras betraf.
Schließlich verstummte der Selvid, und Atanis war, als hätte er geträumt und würde langsam erwachen. Er fühlte sich auf seltsame Art aufgewühlt und gestärkt zugleich. War es das, was Maras mit ‚tröstlich‘ gemeint hatte?
„Danke, dass du zugehört hast.“ Maras senkte den Kopf, rollte das Buch vorsichtig zusammen und verstaute es.
„Du kannst das gut. Lesen, meine ich.“
Ein kurzes Lächeln huschte über Maras’ Gesicht. „Danke. Lesen ist einfach. Dann muss man nicht selbst versuchen, die richtigen Worte zu finden. Manchmal denke ich, ohne Geschichten wie diese würden alle Menschen früher oder später den Verstand verlieren. Ich auf jeden Fall.“

Halbe Sachen

Humorig-finsteres Roadmovie um zwei Außenseiter, die für die Mafia arbeiten. Steamfantasy-Setting.

Inhalt
Das Leben ist hart in den Gassen von Skellybone. Besonders hart ist es für die niederen Ränge der Cair, einer mafiaähnlichen Organisation, die als Auffangbecken für allerlei gescheiterte Existenzen dient. Nedd, der empathische, hochsensible Heiler, ist durch den grausamen Tod seiner Mutter und die Übergriffe seines Vorgesetzten so traumatisiert, dass er überall nur noch „der verrückte Hund“ genannt wird. Dusty, ein Halbling, der unter Menschen aufgewachsen ist, hält seine Karriere bei den Cair für eine Möglichkeit, endlich seinen Wert zu beweisen. Beide versagen bei einer entscheidenden Prüfung ihrer Fähigkeiten, werden degradiert und gemeinsam auf eine schwierige Mission geschickt: Sie sollen herausfinden, wer das Rohmaterial kontaminiert hat, das die Cair für die Produktion magischer Waffen gebrauchen. Gelingt es ihnen, den Auftrag zu erfüllen, sollen sie wieder ihren alten Rang erhalten. Meinen ihre Vorgesetzten das ernst, oder versuchen sie nur, unnützen Ballast loszuwerden? Als wäre all das noch nicht genug, werden die zwei auch noch von einer Gruppe selbsternannter Helden erbarmungslos gejagt. Nedd und Dusty erkennen, dass sie zusammenarbeiten müssen, wenn sie überleben wollen. Ganz langsam überwinden sie das tief verwurzelte Misstrauen und die gegenseitige Abneigung. Doch als sich die beiden schließlich dem Ziel ihres Auftrags nähern, erkennen sie, dass etwas ganz anderes dahinter steckt, als selbst ihre Vorgesetzten angenommen haben: Eine uralte Macht, die sich im Körper eines früheren Cair eingenistet hat und danach strebt, die Herrschaft über die Welt zurückzuerlangen. Nedd und Dusty müssen entscheiden, ob sie sich unterwerfen oder den sinnlos erscheinenden Kampf aufnehmen.

Highland Quest

Kein Roman, sondern ein Computerspiel, umgesetzt mit dem RPG-Maker VX Ace. Clanfehden, Nekromantie und der Krieg zweier Prinzen gegeneinander in pseudo-schottischem Setting. Größtenteils klassische Fantasy, enthält Elemente von Steampunk.

Das Spiel ist kostenlos und steht in einer Demoversion von ca. 12 Stunden Spielzeit zur Verfügung. Weitere Informationen und einen Link zum Download findet ihr hier. Viel Spaß beim Spielen!

Inhalt
König Raumond Stahlhand hat zwei Söhne: Ruthard und Erkandur. Ruthard ist eine einfache, offene, liebenswürdige Natur, Erkandur mehr ein düsterer Intellektueller. Raumond hat schon immer Ruthard als seinen Nachfolger bevorzugt, aber unter Vortäuschung von Objektivität gab er beiden Söhnen die Aufgabe, einen mächtigen Feind zu besiegen. Seine Überzeugung war, dass das dem unkriegerischen Erkandur niemals gelingen würde. Doch womit niemand gerechnet hatte: Erkandur verbündete sich mit Schwarzmagiern — Totenbeschwörern — und entwickelte ein Ritual, mit dem der Tod selbst besiegt werden kann. Bei Erkandurs Rückkehr wurde Raumond Stahlhand von den Totenbeschwörern ermordet, und Erkandur krönte sich selbst zum König. Ruthard konnte mit einer Handvoll Getreuer fliehen. Nun gilt es für beide Brüder, die Unterstützung der sechs sanguinischen Fürsten zu gewinnen, denn wer sie beherrscht, beherrscht auch das Land. Während Erkandur die Tiefländer-Fürsten recht schnell auf seine Seite ziehen kann, flüchtet Ruthard ins Bergland und appelliert an die Loyalität der dortigen Fürsten. Einige Bergländer erkennen die Möglichkeit, die sich ihnen nun bietet: Ruthard braucht offensichtlich Hilfe. Wäre er bereit, als Gegenleistung für diese Hilfe dem Bergland seine Unabhängigkeit wiederzugeben, falls er König werden sollte — und wäre das überhaupt sinnvoll? Sicher ist nur: Ein verrückter König und seine Schwarzmagier dürfen das Land nicht regieren!