Projekte

Diese Sektion der Homepage ist noch in Arbeit. Sieh dich trotzdem gern schon einmal bei meinen Romanprojekten um. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Dunkle Ritter

Düsteres Fantasy-Setting, gebrochene Figuren, Moral und Ehre, Leben und Tod – Bücher für alle, denen Game of Thrones nicht finster genug war, oder die sich wünschen, Dark Souls wäre eine Romanreihe.

Ritter und Henker

Inhalt
Das Königreich versinkt in Dunkelheit. Ein Übel, genannt die Umarmung der Nachtmutter, befällt die Herzen der Lebewesen und verwandelt sie in Monstren. In diesen finsteren Zeiten sind die Ritter des Lichts, eine Eliteeinheit des Königs, das Symbol der Hoffnung: Sie verkörpern die höchsten Tugenden und nehmen selbstlos den Kampf gegen das Böse auf. Steyn und Gavin, zwei grundverschiedene junge Männer, haben nur ein Ziel: Teil diese illustren Ordens zu werden. Doch beide tragen ihr eigenes Dunkel im Herzen, das sie von innen zerfrisst.
Leseprobe (Probetext)
Sie grüßten einander mit erhobener Waffe. Ein Helm mit dünnem Augenschlitz verbarg Lirons Gesicht. Seine schwere Rüstung würde dem Speer passablen Widerstand bieten. Doch ohne Zweifel lag ihr Schwachpunkt unter den Armen, und er würde sich zeigen, sobald Liron sein Schwert zum Angriff hob. Steyn fragte sich, wie er die Schwachstelle ausnutzen sollte, ohne den Mann zu töten. Denn das wollte er nicht. Ohnehin waren diese Wettkämpfe, obgleich sie mit scharfen Waffen geführt wurden, nicht dazu gedacht, dass sich die Kontrahenten gegenseitig niedermetzelten. Dazu gab es zu wenige Ritter und zuviel Dunkelheit im Königreich.
Der Kampf begann, als Liron vorwärts stürmte und den Zweihänder in weitem Bogen schwang. Zwei Schläge, links, rechts, und ein weiterer Hieb von oben. Steyn wich aus, ohne dass ihn auch nur der Luftzug des Angriffs gestreift hätte.
»Flieg, Rabe!«, schrieb die Menge. Steyn wünschte, er hätte es nicht gehört. Fliegender Rabe, so nannten sie ihn; je nach Laune auch Tänzer des Todes oder Nachtspeer. Schwer zu entscheiden, welchen Namen er am peinlichsten fand. So gut es ging, verschloss er die Ohren vor dem Lärm. Er musste sich konzentrieren.

Cruces

Inhalt
Nicht Gott entscheidet, ob eine Seele verdammt ist, sondern seine Diener. Wer das Zeichen der Cruces, des Doppelkreuzes, trägt, dessen Seele ist im Körper gefangen und kann vom Klerus für seine Zwecke verdreht und geformt werden. Zwei tragen bereits eine Crux: Valakar, der gefallene Ritter, und die Nonne Corinna, die die seltene Kunst beherrscht, uralte, zerstörte Texte wieder herzustellen. Als Corinnas Fähigkeiten vom Königshaus angefordert werden, geraten beide in eine Falle, aus der es kein Entkommen gibt – es sei denn, um den Preis des eigenen Seelenheils.

Die Geister von San Turaco

Serie. Außergewöhnliche Fantasy in modernem, karibischem Setting. Gesellschaftskritisch, humorvoll, mit Voodoo. Auf San Turaco, einer Insel, die durch ein Embargo vom Rest der Welt abgeschottet ist, gehen eine Polizistin und ein Nekromant einer Serie mysteriöser Mordfälle nach.

Leseprobe
Die Stimmen der zahllosen Partygäste kratzten in seinen Ohren. Es mussten mehrere hundert Menschen gekommen sein, darunter einige Prominente. In den großzügig geschnittenen Zimmern der Ratsherrn-Villa verteilten sie sich so, dass kaum Gedränge entstand. Bis auf die Bediensteten, die mit Häppchen und Champagner ihre Runden drehten, war Timoteo der einzige Melez, der einzige Halb-Nopoye in Sichtweite. Bei allen anderen handelte es sich um Pieni – Hellhäutige, Eroberervolk.
Er versuchte, sich trotz des Lärms zu konzentrieren, schenkte der Frau, die ihm gegenüber saß, sein zauberhaftes Liebesszenen-Lächeln und streckte ihr die Karten hin.
»Ziehen Sie drei.«
Sie tat es. Ihre Fingernägel waren knallpink lackiert und mit glitzerndem Strass besetzt. Als er die Karten für sie auf dem Glastisch umdrehte, wurden Zeichnungen von Schwertern und Gerippen, von Tod und Gemetzel sichtbar. Der Tod, der eine Machete in der Knochenhand hielt, fuhr eine schwarze Limousine, und auf dem Beifahrersitz hockte ein Jagdhund von derselben Farbe. Die Frau zuckte zurück, ihre Fischaugen weiteten sich.
»Was soll das bedeuten?«
»Nur keine Sorge, Donna. Bilder von Vernichtung symbolisieren immer einen Neuanfang. Daher trägt der Tod einen Kranz aus Blütenknospen.« Timoteo deutete auf das Detail. Die Frau beugte sich tief über den Tisch, zu tief für ihren Ausschnitt. Während sie abgelenkt war, pflückte er rasch zwei, drei blondierte Haare von ihrer Schulter, schob sie in den Ärmel und schnappte sich den Lippenstift aus ihrer geöffneten Handtasche. Darauf mussten wenigstens ein paar Tropfen ihres Speichels zurückgeblieben sein. Nicht viel, aber genug, um im Notfall damit zu arbeiten. Als sie aufblickte, waren die Brüste noch immer in seinem Blickfeld, und er roch ihr Parfum, schwer und aufdringlich.
Vulgäres Weibsstück. Leider war sie die Schwester des Ratsherrn, und wenn er heute noch zu Calderon wollte, fing er besser mit dem unterhaltsamen Teil an, um sie kooperativ zu stimmen. Etwas Gesäusel, Komplimente über ihren Charakter und die Versicherung, der Traummann warte bereits auf sie, das machte fast jede Frau zugänglich. Er legte sich die passenden Worte zurecht, öffnete den Mund – und wurde von einem Aufschrei unterbrochen.
»Val! Er ist wirklich gekommen! Valentino Flores!«
Von irgendwoher aus der Menge schossen drei Mädchen auf ihn zu. Sie hatten ihre Handys gezückt, umringten ihn, quietschten, kreischten und knipsten Fotos. Die Frau mit den pinken Fingernägeln fuhr sie an: »Was soll das? Seht ihr nicht, dass wir beschäftigt sind?«
Niemand achtete auf sie. »Val, darf ich mit dir aufs Bild?«
Timoteo lächelte routiniert, während sich eins der Mädchen an ihn schmiegte und ein Selfie aufnahm, ohne eine Antwort abzuwarten. Augenblicklich gesellten sich die anderen beiden dazu. Seine Karten segelten vom Tisch und verteilten sich auf dem Teppich. Die Frau stand auf und ging. Verdammt.
Eins der Mädchen kämmte ihm das Haar aus der Stirn, als wäre er irgendein Haustier. Typisch Oberschicht: Die meisten führten sich nach wie vor so auf, als wäre jeder Nopoye, jeder Melez, auf den sie trafen, ihr persönliches Eigentum, an dem sie nach Belieben herumtatschen konnten. Fehlte nur, dass sie ihm in die Hose griff. Wie sollte er bloß entkommen?
»Er sieht genauso gut aus wie im Fernsehen«, befand sie.
»Magerer, finde ich.«
»Ja, steht ihm aber.«
»Seine Augen! Ich hab’s dir doch gesagt, die Farbe ist echt: ein Auge silber, eins schwarz. Keine Kontaktlinse.«
Das jüngste Mädchen sah ihn mit bettelndem Blick an. »Bitte, Val, komm zurück zu MdL! Du musst wieder dabei sein. Val war der Beste! Er darf nicht tot sein. Er und Anna sind doch füreinander bestimmt.«
Sie kann nicht einmal zwischen mir und meiner Rolle unterscheiden, dachte Timoteo. Er zwang sich zur Ruhe und lächelte mit zurückgezogenen Lippen in die Handykamera. Den Arm um seinen Hals versuchte er zu ignorieren. Nur der Rolle als Valentino Flores verdankte er es, dass er es überhaupt auf diese Party geschafft hatte, in die Nähe von Ratsherr Calderon.
»Ihr vermisst also Valentino?« Seitdem seine Figur eine Kugel in den Kopf bekommen hatte und aus der Telenovela Magie der Leidenschaft – MdL, wie die Mädchen sie nannten – verschwunden war, hörte er das ständig. »Val ist jetzt in der Hölle, ihr Lieben. Aber wer weiß. Sind schon mehr Menschen von da zurückgekehrt, als die meisten Leute denken.«

Aschenheim

The Witcher trifft Fack ju Göhte: Ein abtrünniger Magier muss sich als Lehrer  durchschlagen, um eine Reihe grausamer Geheimnisse aufzudecken.

Kessler Chroniken

Mosaik aus mehreren Einzelromanen in antikem, pseudo-römischem Setting. Episch, politisch, manchmal düster und oft humorvoll. Verfolgt das Schicksal einzelner Personen in einer Zeit des Umbruchs – und mit ihnen das eines zerfallenden Weltreichs.

Talvars Schuld

Dieser Roman ist veröffentlicht; alle weiteren Informationen gibt es daher hier.

Mord in Laidon

Inhalt
Nach seinem Zusammenbruch während einer wichtigen Ratssitzung ist klar: Die Politik wird Lukial umbringen. Das hat ihm der Arzt bestätigt. Dass es in Wahrheit der Tod seiner kleinen Tochter ist, der Lukial das Herz bricht, ahnt nur sein bester Freund. Mit größter Mühe kann er Lukial davon überzeugen, sich eine Auszeit in der Inselreichs-Metropole Laidon zu nehmen. Doch dort sieht sich Lukial wenig später erst recht in einem Alptraum gefangen: Bei einem Symposion wird eine prominente Nekromantin ermordet, und als Täter gilt er. Um seine Unschuld zu beweisen, muss Lukial seinen alten Kampfgeist wiederfinden – und die Unterstützung der blendend schönen Deklamatorin Xaphra erringen, die ihm eigentlich ewige Feindschaft geschworen hat.

Schattenfluss

Fuchs Goldauge

Inhalt
Nach dem Tod des Dikators Kimra ist der Rat abgeschlachtet, der Staat liegt in Trümmern – aber das Leben muss weitergehen. Der junge Silial kämpft darum, das Erbe seines ermordeten Bruders anzutreten, des brillanten Anwalts und Politikers Lukial. Als sich Silial zum Verteidiger eines Mannes macht, der sich selbst nicht wehren kann, gerät er in Lebensgefahr. Denn unwissentlich ist er einem mächtigen Feind in die Quere gekommen, dem ehemaligen kriegsgefangenen Sklaven Fuchs Goldauge, der jetzt die wenigen Mächtigen kontrolliert, die das Massaker der Diktatur überlebt haben.

Blutgeister

Inhalt
Eine Geschichte, zwei Schickale: Wie Nebel lastet ein finsteres Geheimnis auf dem Gestüt von Lutans Familie. Nacht für Nacht erscheint dem Jungen ein bösartiger Geist. Woher stammt der Blutfleck, den sein Vater unter dem Teppich verbirgt? Was weiß der Pferdeknecht Kiun über den Geist? Und welche Rolle spielt der blutrote Hengst Dorn? Als Lutans Vater bei einer Auseinandersetzung schwer verletzt wird, flüchtet Lutan zu den Nachbarn. Mithilfe der Nachbarstochter beginnt er Nachforschungen über die Vergangenheit seiner Familie – und offenbart Schockierendes. Unterdessen ringt der geschlagene und gedemütigte Feldherr Jeskar um eine schwerwiegende Entscheidung. Soll er seine Ehre wiederherstellen, auch wenn der Preis dafür Verrat an seiner Heimat ist?
Leseprobe
Lutan schrak auf. Etwas drückte auf seine Brust, schnürte ihm den Atem ab.
Eben noch hatte er die Seele an den tröstlichen Worten des Philosophen Xadras gewärmt, während sich seine Finger vor Kälte allmählich taub anfühlten. Wenn er las, wurde Xadras’ Stimme lebendig in seinem Kopf, sanft und freundlich.
Furcht ist bedeutungslos.
Dass er sich in den verschlissenen Umhang gewickelt hatte, nützte nicht viel. Die Wärme des Ofens reichte nicht bis in die Bibliothek.
Schmerz ist bedeutungslos.
Er spürte, dass er nicht länger allein war. Etwas Böses, allzu Vertrautes, näherte sich von draußen. Er wollte schreien, doch er konnte sich nicht rühren. Verzweifelt versuchte er sich auf die Stimme des Philosophen zu konzentrieren.
Nur die Tugend hat Bedeutung, denn sie führt zum Seelenfrieden.
Das Fenster der Bibliothek schloss nicht richtig. Durch den Spalt zwischen den Flügeln wirbelten Schneeflocken herein und bildeten eine Verwehung auf dem Boden. Obwohl er am Tisch saß und die Schriftrolle so fest umfasst hielt, dass das spröde Pergament zu brechen drohte, sah Lutan zugleich die Fußspuren unter dem Fenster. Abdrücke von Stiefeln, auf die sich sofort eine dünne Schicht Schneepuder legte. Xadras’ Stimme in seinem Kopf war verstummt.
Nein, nicht das, nicht schon wieder!
Plötzlich sprang das Fenster auf – hatte er es nicht verriegelt? – und die Flügel schlugen mit lautem Klappern gegen die Wand. Draußen stand, weiß und rot, der kopflose Leichnam eines Mannes. Blut quoll unablässig aus dem abgetrennten Hals, ballte sich in der Luft zusammen, als würde es in eine Hohlform gegossen, und bildete den Kopf eines Pferdes: tiefrotes Fell, eine wehende Mähne und wilde Augen. Einige Blutstropfen fielen auf die Fensterbank und sickerten in das morsche Holz. Das Monstrum öffnete das Maul, rief seinen Namen.

Schule der Macht

Inhalt
20 Jahre sind seit den Ächtungen des Alleinherrschers Kimra vergangen. 20 Jahre, um sich vorzumachen, die Welt sei wieder in Ordnung. Doch sie ist es nicht, und sie wird es auch nie wieder sein: Nach Jahrhunderten der Unterdrückung lehnt sich das Volk von Kessel auf und protestiert gegen die Oligarchie. Die einflussreichsten Politiker ihrer Zeit, Silial und Malkar, müssen sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Während der idealistische Silial, selbst einfacher Herkunft, für das Volk Partei ergreift, setzt sich der Opportunist Malkar für ein kompromissloses Vorgehen ein. Doch beide begehen Fehler und geraten in einen blutigen Strudel der Ereignisse, aus dem es kein Entkommen gibt. Auch ihre Schützlinge werden mit hineingezogen, die hochintelligente Landra und Atanis, der jedes Fettnäpfchen mitnimmt. Als die skrupellose Feldherrin Kivan mit der Niederschlagung der Aufstände betraut wird, geht es nicht mehr um persönliche Feindschaften oder Macht: Da Leben aller und die Zukunft von ganz Kessel stehen auf dem Spiel.
Leseprobe
Atanis, die junge Hauptfigur des Romans, stammt aus der Familie Tuvar, die von dem Diktator Selvid Kimra fast vollständig ausgelöscht wurde. Der gleichaltrige Maras, dem er während seines Militärdienstes begegnet, ist ein Enkel des Diktators – und ein sonderbarer Vogel, ein Literatur liebender Schöngeist, der schwer an der Schuld seiner Herkunft trägt. Nachdem sie sich erst geprügelt haben, dann Maras Atanis‘ Leben gerettet hat, bahnt sich zwischen ihnen eine zaghafte Freundschaft an.

„Trink! Auf unsere gemeinsame Heimat.“
Warum hatte er das gesagt? Doch Maras nahm den Becher entgegen und trank ohne weiteren Kommentar. Auch Atanis nahm einen Mundvoll und ließ ihn prüfend über die Zunge rollen. Der Wein schmeckte, wie er roch, aber unter dem Kräuteraroma, das an einen Arzneitrank erinnerte, lag eine Basis von üppig süßen Trauben.
„Puh, das ist gewöhnungsbedürftig!“ Er setzte sich Maras gegenüber. „Und du willst jetzt allen Ernstes über Literatur reden?“
„Du nicht?“
„Mich interessiert das nicht“, sagte Atanis. „Diese Geschichten haben nichts mit mir zu tun.“
Es war offensichtlich, dass Maras den Wein zu schnell hinuntergekippt hatte, denn seine Augen konnten sich schon nicht mehr genau auf Atanis fixieren. Das nahm seiner bedeutungsvollen Miene einiges von ihrer Ernsthaftigkeit. „Ich denke, das haben sie wohl.“
Atanis trank einen weiteren Schluck. Gar nicht so übel, wenn man sich erst mit dem Geschmack abgefunden hatte. „Was soll denn dieser Krieg um Lelva vor tausend Jahren oder so mit mir zu tun haben?“
„Du missverstehst da etwas, Tuvar Atanis. Dieses Epos handelt nicht von Krieg. Es geht darum, was die Menschen gemeinsam haben.“
„Und was ist das?“
Die Frage schien Maras etwas aus dem Konzept zu bringen. „Nun … letzten Endes den Tod.“
„Das ist wirklich ungeheuer tröstlich.“
„Das ist es, weil …“ Maras setzte neu an. „Wenn die Menschen erkennen … tut mir leid, ich bin nicht gut darin, sowas zu erklären. Wenn sie erkennen, wie hilflos sie alle gegenüber den Geschicken sind, können sie ihre Feindschaften begraben und miteinander sprechen wie Brüder. Wenn auch vielleicht nur für kurze Zeit. So wie …“
Allmählich dämmerte Atanis, was ihm Maras auf so umständliche Art mitzuteilen versuchte. „Wie wir, meinst du?“
Der Selvid wirkte verlegen. „Wie Xerras und der König von Lelva, wollte ich sagen. Sie sind Todfeinde, aber sie haben beide jemanden verloren, der ihnen wichtig war. Der König seinen ältesten Sohn und Xerras seinen besten Freund.“
Nur zu deutlich erinnerte sich Atanis an diesen Teil der Geschichte: Xerras, der hitzköpfige Held des Epos, rächte den Tod seines Freundes, indem er den Königssohn, der ihn getötet hatte, niedermachte und seine Leiche unter dem freien Himmel verrotten ließ. So etwas vergaß man wohl nie, wenn man als Kind damit gequält wurde! Wie dieses Elend allerdings endete, hatte er offensichtlich aus dem Kopf verbannt.
„Als der König Xerras bittet, ihm die Leiche seines Sohnes zur Bestattung zu überlassen“, fuhr Maras fort, „erkennen sie, dass sie beide verletzt und voller Trauer sind. Sie essen und trinken zusammen, und Xerras erfüllt dem alten Mann seine Bitte. Dabei hätte er ihn auf der Stelle erschlagen können. Das hätte den Krieg wahrscheinlich sogar früher beendet. Aber sie beschließen, ihre Feindschaft für diesen einen besonderen Moment zu begraben. Morgen werden sie einander wieder verfolgen und töten.“
Atanis suchte nach einem Witz, um Maras’ Worte ins Lächerliche zu ziehen. Diesmal fand er keinen, und so schwieg er.
„Es ist meine Lieblingsstelle.“ Maras klang beinahe schüchtern. „Darf ich sie dir vorlesen?“
Atanis unterdrückte ein Seufzen. Eine Literaturstunde – na großartig. Offenbar hatte er durch dieses Geschenk das Wohlwollen eines Langweilers erkauft. „Na, meinetwegen. Wenn sie nicht zu lang ist.“
Maras’ Hand brauchte nur wenige Momente, um die richtige Schriftrolle zu finden. Präzise sprangen seine Augen über den Text, und er begann:
Und unbemerkt trat er König herein. Er umfasste Xerras’ Knie und küsste seine Hände – die männermordenden, die ihm viele Söhne getötet hatten.“
Maras’ sonst tonlose Stimme wurde zärtlich, während er vorlas. Er streichelte die Wörter. Die sanften Silben und Verse glitten über seine Lippen und füllten das Zelt wie das Murmeln eines Bachs.
So sprach er und weckte in Xerras die Sehnsucht nach seinem Vater …
Wie seltsam, ausgerechnet einem Selvid gegenüberzusitzen und sich das anzuhören! Etwas Sonderbares ging in Atanis vor. Auf einmal konnte er die Gestalten des Kampfs um Lelva vor sich sehen – Xerras, blond, muskelbepackt und mit wildem Blick, und den weißbärtigen König mit rotgeweinten Augen, in Lumpen – und ihre Stimmen hören. Und als Maras las, dass Xerras an seinen Vater denken musste, überkam ihn selbst erneut das Heimweh, nur stärker und irgendwie bittersüß. Xerras bedauerte, dass sein Vater weit weg leben musste, während ihm selbst die Geschicke bestimmt hatten, im Krieg gegen eine fremde Stadt zu sterben. Ich sterbe aber nicht, dachte Atanis, ich werde nach Hause zurückkehren. Und … und … er wusste es nicht, aber er fühlte, dass er dann etwas Wichtiges tun würde, tun musste. Und noch ein Vorsatz begann sich in ihm zu bilden, ein Vorsatz, der Maras betraf.
Schließlich verstummte der Selvid, und Atanis war, als hätte er geträumt und würde langsam erwachen. Er fühlte sich auf seltsame Art aufgewühlt und gestärkt zugleich. War es das, was Maras mit ‚tröstlich‘ gemeint hatte?
„Danke, dass du zugehört hast.“ Maras senkte den Kopf, rollte das Buch vorsichtig zusammen und verstaute es.
„Du kannst das gut. Lesen, meine ich.“
Ein kurzes Lächeln huschte über Maras’ Gesicht. „Danke. Lesen ist einfach. Dann muss man nicht selbst versuchen, die richtigen Worte zu finden. Manchmal denke ich, ohne Geschichten wie diese würden alle Menschen früher oder später den Verstand verlieren. Ich auf jeden Fall.“

Halbe Sachen

Humorig-finsteres Roadmovie um zwei Außenseiter, die für die Mafia arbeiten. Steamfantasy-Setting.

Highland Quest

Kein Roman, sondern ein Computerspiel, umgesetzt mit dem RPG-Maker VX Ace. Clanfehden, Nekromantie und der Krieg zweier Prinzen gegeneinander in pseudo-schottischem Setting. Größtenteils klassische Fantasy, enthält Elemente von Steampunk.

Das Spiel ist kostenlos und steht in einer Demoversion von ca. 12 Stunden Spielzeit zur Verfügung. Weitere Informationen und einen Link zum Download findet ihr hier. Viel Spaß beim Spielen!