Zwischen den Jahren

Vides, ut alta stet nive candidum
Soracte nec iam sustineant onus
silvae laborantes geluque
flumina constiterint acuto.

dissolve frigus ligna super foco 
large reponens atque benignius
deprome quadrimum Sabina,
o Thaliarche, merum diota.

permitte divis cetera, qui simul 
stravere ventos aequore fervi
do
deproeliantis, nec cupressi
nec veteres agitantur orni.

(…)

Horaz, Oden, 1,9)

Übersetzung:

Du siehst, wie der hohe Soracte* dasteht, weiß von Schnee,
und wie die Wälder die Last schon nicht mehr ertragen,
obwohl sie sich abmühen,
und wie die Flüsse stehen geblieben sind vom beißenden Frost.

Vertreibe die Kälte, indem du Holzscheite
in Mengen über dem Ofen hinlegst,
und noch großzügiger hol den vierjährigen Wein heraus,
Thaliarchus, im sabinischen Krug.

Überlass den Göttern das Übrige. Sobald sie
die Winde zur Ruhe gebettet haben, die gegen das schäumende Meer
kämpfen, rühren sich weder die Zypressen
noch die alten Eschen.



*Heute der Monte Soratte

(Horaz, Oden, 1,9)

Übersetzung:

Du siehst, wie der hohe Soracte* dasteht, weiß von Schnee,
und wie die Wälder, die Last schon nicht mehr ertragen,
obwohl sie sich abmühen,
und wie die Flüsse stehen geblieben sind vom beißenden Frost.

Vertreibe die Kälte, indem du Holzscheite
in Mengen über dem Ofen hinlegst,
und noch großzügiger hol den vierjährigen Wein heraus,
Thaliarchus, im sabinischen Krug.

Überlass den Göttern das Übrige. Sobald sie
die Winde zur Ruhe gebettet haben, die gegen das schäumende Meer
kämpfen, rühren sich weder die Zypressen
noch die alten Eschen.[/su_quote]

*Heute der Monte Soratte

Das Wintergedicht des römischen Autors Horaz (das hier nur in Auszügen zitiert wird) ermutigt dazu, das Leben zu genießen, auch wenn – oder erst recht wenn – man an den Umständen nichts ändern kann und es das Beste ist, es sich einfach gemütlich zu machen und abzuwarten. Horaz‘ gesammelte Ratgeber-Weisheit ist uns heutzutage vor allem noch durch sein geläufiges Zitat carpe diem – „pflücke den Tag“ bekannt. Seine Gedicht, so perfekt geformt wie Schneeflocken, lassen sich in ihrer Schönheit kaum übersetzen.

Dieses Gedicht gibt sehr gut das Gefühl wieder, das auch mich zwischen den Jahren erfasst. Das Familienfest Weihnachten, das oft mit viel Anspannung, vielen Verpflichtungen verbunden ist, ist vorüber. Silvester, das zur Partynacht mit Freunden einlädt, steht noch bevor. Und dazwischen liegen Tage voller Dunkelheit und Kälte, und Nächte, in denen Dämonen umhergehen und Träume die Ereignisse im neuen Jahr prophezeien sollen. Diese Zeit, „zwischen den Jahren“, ist für mich in jedem Jahr wie ein Bonus auf das Leben. Eine Zeit, um sich frei zu nehmen und das zu tun, worauf man Lust hat und wozu man das restliche Jahr über nicht kam.

Als ich noch Studentin war, habe ich dann die teure Schokolade gekauft, die nach Weihnachten ermäßigt war. Oder das ebenso ermäßigte teure Schaumbad aus dem Luxus-Kosmetikladen. Ich habe die Schokolade gegessen, das Schaumbad benutzt, mich wie eine dekadente Königin gefühlt und mich gefreut, wenn Fantasyfilme im Fernsehen liefen. Später habe ich Gamedesign gemacht, stundenlang, bis die Welt für mich wie verpixelt aussah. Oder mich mit Freunden auf lange Spieleabende getroffen.

Jetzt ist die Zeit, denjenigen Menschen zu zeigen, dass sie einem etwas bedeuten, bei denen man es vielleicht nicht jeden Tag tut. Es ist aber auch die Zeit, in Welten abzutauchen, die andere erfunden haben oder man selbst. Ohne schlechtes Gewissen Konsole oder PC-Spiele zu zocken. Oder die Geschichten zu plotten, die man im nächsten Jahr schreiben will (aber nicht so sehr, dass man wegen der Plotlöcher in Panik gerät).

In diesem Jahr nutze ich die Zeit zwischen den Jahren, um an meinem NaNo-Roman weiterzuarbeiten. Die Geschichte um zwei Ritter in einer dunklen Welt hat mich überraschend gepackt und mein Herz erobert. Ich bin fest entschlossen, sie im neuen Jahr zu beenden, und hoffe, dass sie dann auch andere Herzen erobern kann. Außerdem plane ich neue Projekte, einige düster, andere eher fröhlich, und überlasse mich den wunderbaren Gedanken an die Geschichten, die auf mich zukommen.

Mein Vorsatz für das neue Jahr lautet: Mehr Spaß. Natürlich kann niemand wissen, was es bringt. Ich habe indessen schon italienischen Wein gekauft (ob es Sabinerwein ist, weiß ich nicht) und werde die Heizung großzügig hochdrehen, wenn es nötig ist. Verbringt eine schöne Zeit! Und ich wünsche euch schon einmal einen sanften Übergang ins neue Jahr 2019.

Herzlich, eure Kaja

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