Fünf Dinge, die mich in RPGs nerven

Rollenspiele sind für mich als Gamerin mein erklärtes Lieblingsgenre. Aber manche Dinge nerven einfach. Einige nerven ganz speziell mich; anderen geht es anders. In diesem Beitrag spreche ich über die Dinge, die ich in kommerziellen RPGs nicht leiden kann – ich würde diese Dinge aber auch in nicht kommerziellen nicht mögen. 😉

1. Wer ist das, und was soll ich mit ihm anfangen?

Das Spiel geht los, und als Erstes wird mir eine Hauptfigur vor die Nase gesetzt, deren Geschlecht, Aussehen, Hintergrund ich nicht bestimmen konnte und über die ich nicht das Geringste weiß. Ich habe keinerlei Bezug zu dieser Figur; warum sollte ich mich für ihre Geschichte interessieren? Wenn nicht sofort (und damit meine ich: in den nächsten zwei Minuten) etwas Interessantes passiert, am besten etwas, was die Hauptfigur betrifft, hatte das Spiel seine Chance.

Spiele mit einer festgelegten Hauptfigur haben es bei mir schwer, und ihrer gibt es mittlerweile viele. Meist haben wir es mit einem muskulösen, hellhäutigen Mann zu tun, der zeitnah irgendetwas mit seiner Waffe zerlegt. Dabei ist es für die Geschichte oft sogar von Vorteil, eine festgelegte Hauptfigur zu haben, da man ihre Geschichte so viel zielgerichteter, persönlicher erzählen kann. Geschichten, die auf jede beliebige Figur „passen“, gibt es ja gar nicht viele, und meist sind sie weniger spannend als die persönlichen. Mein Lieblingsspiel, Planescape – Torment könnte ich mir mit keiner anderen Hauptfigur vorstellen als dem Namenlosen Mann. Aber der erfüllt auch nicht gerade viele Klischees. Wenn man mir eine vorgefertigte Hauptfigur vorsetzt, brauche ich eine Aussicht darauf, dass ihre Geschichte meine Zeit wert ist.

2. Crafting-Irrsinn

„Ich hätte gern einen kleinen Atomreaktor direkt neben dem Klohäuschen. Du kannst ihn aus 5 Drahtspulen, 4 Lederriemen, einem Atomkern, 10 Litern Wasser, 25 Barren Stahl, 2 Streifen Silberfolie, 10 Stücken Ebenholz und einem dressierten Eichhörnchen an dieser Werkbank selbst bauen.“ – „Ähm, ok, aber woher bekomme ich Silberfolie?“ – „Such eine alte Aufziehpuppe und nimm sie auseinander, dann verwandelt sie sich in jeweils eine Einheit Stoff, Holzwolle, Glas und Silberfolie.“ – „Ok, ich habe den Reaktor gebaut, warum läuft er nicht?“ – „Ach, du musst noch einen Generator dazu stellen und 74 Stromkabel verlegen …“

Das Prinzip des Crafting habe ich irgendwie nie recht nachvollziehen können. Warum seine Rüstung (oder was auch immer) selbst basteln, wenn man doch auch eine von gleicher Qualität in jeder beliebigen Truhe finden kann? Und wenn nicht, umso schlimmer! Dann bin ich ja auch noch „gewzungen“, das Gefummel an der Werkbank auf mich zu nehmen. Ehrlich, im realen Leben stricke ich gern Socken und koche mir eine Suppe, aber wenn ich Computer spiele, möchte ich lieber die fiktive Welt erkunden und Dinge erleben, die ich sonst nicht erleben kann (ok, ich pimpe im realen Leben keine Maschinengewehre, zum Glück). In den meisten Spielen lässt sich das Crafting erfreulicherweise einfach ignorieren. Übrigens, ihr könnt euch meine Antwort auf die Frage denken, ob es in Highland Quest ein Crafting-System geben wird … 😉

3. Jack Sparrow im Team

Alrik der Wachsoldat tut seinen Job. Wenn ein Monster ankommt, kämpft er mit Schwert, Schild und Kettenhemd. Nach eigener Aussage ist er nur Wachsoldat geworden, weil sein Vater auch schon bei der Wache war. Das ist auch so ziemlich alles, was er mir jemals erzählt hat. Was macht Alrik in meiner Gruppe? Ich liebe es, interessante Figuren im Team zu haben und spannende Gespräche mit ihnen zu führen. Dafür ist Alrik kein Kandidat. Aber immerhin ist er er selbst; langweilig, aber glaubwürdig. Viel schlimmer ist es, Annah aus Planescape – Torment in die Gruppe zu bekommen, wenn man gerade nicht Planescape – Torment spielt. Oder Gimli. Oder Legolas. Oder Jack Sparrow. Ja, man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen – und wenn ich Jack Sparrow in einem Rollenspiel treffe, kotze ich. Leute, eure Spiele werden nicht besser, wenn ihr klaut. Wenn euch nichts einfällt, benutzt Figuren wie Alrik. Aber denkt sie euch wenigstens selbst aus!

4. Ein Dialog – Moment, ich hol kurz mein Strickzeug

Ich liebe gute Dialoge in Computerspielen! Aber es ist schwierig, im Dickicht den Weg zu finden zwischen „gar kein Dialog“, „kurzer Dialog“, „langer Dialog“ und „guter Dialog“.

Normalerweise spricht man nicht jede Person auf der Straße an und führt tiefgründige Gespräche mit ihr. Es sei denn, man heißt Sokrates. Im realen Leben führt man gute Dialoge mit Menschen, die einem nahe stehen, während sich die Kommunikation mit anderen gern auf „hallo“, „ciao“ und „grunz“ beschränkt. Aber Computerspiele bilden nicht das richtige Leben ab. Und kann man nicht froh sein, wenn man beim Spielen nach lauter Gekämpfe mal wieder eine menschliche Stimme hört?

Jein. Es kann anstrengend sein, langen Dialogen zu folgen, vor allem, wenn sie auch noch vertont sind und man gezwungen ist, sie in ihrer Gänze anzuhören. Sie sollten einen Mehrwert bieten und eine wirklich interessante Geschichte erzählen, die am besten noch einen Bezug zur Hauptfigur herstellt. Personen, die vor einem völlig Fremden ausführlich ihr ganzes Leben ausbreiten oder sich in unwichtigen Details verlieren, gibt es auch im wirklichen Leben. Und die Reaktion ist dann ähnlich wie im Spiel: „Wo ist mein Strickzeug?“ Wenn ich in einem düsteren Dungeon einen Bösewicht treffe, der mir spontan und in extenso seine tragische Hintergrundgeeschichte erzählt, möchte ich lieber eine andere Auswahlmöglichkeit treffen als diejenigen, die mir das Spiel bietet. Ich möchte sagen: „Das ist haarsträubend, mein Bester, aber ich komme eigentlich gerade nur zufällig vorbei.“

5. Mitstreiter? Lass man

Kämpfen? Mach ich selber. Zaubern? Mach ich selber. Heilen? Habe 99 Heiltränke dabei. Schlösser knacken? Würd ich gern, hab aber irgendwie keine Skillpunkte mehr übrig.

Viele moderne Computerspiele halten nicht viel von Aufgabenteilung. Wozu auch? Du bist der Held, der Eine, der Auserwählte. Du kannst es selber, du hast es drauf. Wirklich. Du bist mächtig, so mächtig. Und allein. So, so allein.

Offenbar steckt hinter diesem Prinzip der Gedanke, dass es sich toll anfühlt, in die Rolle eines alles-könnenden Helden zu schlüpfen, der die Welt im Alleingang rettet. Tut es auch, kein Zweifel. Aber fühlt es sich nicht noch besser an, eine fremde Welt mit neuen Freunden zu erkunden? Sich an ihrer Gesellschaft zu freuen, ihre Geschichten kennen zu lernen? Ich liebe es, eine Gruppe unterschiedlicher Figuren zu „betüdeln“, auszustatten und durch ein Spiel zu führen, in dem ich ihre besonderen Fähigkeiten nutze. In mir lebt offenbar der Gedanke, der sich auch in zahlreichen Animeserien zeigt: Die Hauptfigur ist ein toller Hecht, aber ohne das Team wäre sie nichts.

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Und wie seht ihr das? Nerven euch diese Dinge auch, oder findet ihr sie, im Gegenteil, sogar cool? Welche Dinge nerven euch bei RPGs? Hinterlasst gern einen Kommentar hier oder auf Facebook. 🙂

Eure Coppelia

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